Balancepads beim Pferd — Nina Sass

Blogpost · Nina Sass

Wissen & Praxis

Balancepads beim Pferd —
wann sie Sinn machen, wann nicht.

Ich stehe immer wieder vor Pferden die auf einer Seite mehr lasten als auf der anderen. Die Tiefenmuskulatur macht einfach nicht richtig mit — egal wie viel man trainiert.

Genau da kommen Balancepads ins Spiel. Ich bin ein echter Fan davon — wenn man weiß wie man sie einsetzt.


Was steckt dahinter?

Balancepads kommen ursprünglich aus der Humantherapie — dort werden sie schon ewig eingesetzt. Eine weiche, instabile Unterlage aus Schaumstoff. Das Pferd steht drauf, der Untergrund gibt minimal nach — und schon muss es sich ständig neu ausbalancieren.

Was dabei passiert ist ziemlich faszinierend. Überall im Körper sitzen kleine Sensoren — in den Muskeln, Gelenken, Sehnen und Bändern. Die schicken dem Gehirn ständig Infos: Wo bin ich gerade? Wie viel Gewicht liegt drauf? In welche Richtung neige ich mich?

Das ist Körperwahrnehmung — und genau die wird hier geschult. Das Pferd lernt seinen Körper besser wahrzunehmen, seine Stellung im Raum besser einzuschätzen. Und die Tiefenmuskulatur direkt neben der Wirbelsäule — die kleinen Muskeln die für Stabilität und Haltung zuständig sind — die springt dabei automatisch an. Nicht weil man sie bewusst anspricht, sondern weil der Körper sie einfach braucht.


Wie ich sie einsetze

Ich gehe immer langsam ran. Das Pferd darf schnuppern, darf schauen, darf selbst entscheiden wann es draufsteigt. Manche stellen sofort alle vier Hufe drauf — andere wollen erst nur mit einem Bein. Beides ist völlig okay. Das Pferd bestimmt das Tempo, nicht ich.

Was ich besonders gerne mache: gezielt auf der schwächeren Seite arbeiten. Wenn das rechte Hinterbein weniger belastet wird oder schwächer aufgebaut ist — Pad drunter, fertig. Das Pferd muss dieses Bein aktiv stabilisieren. Und bekommt genau dort den Reiz den es braucht.


Wann ich die Finger davon lasse

Das ist mir genauso wichtig wie beim Tapen — ich sehe leider sehr häufig dass Balancepads eingesetzt werden wo sie nichts verloren haben.

Mein klares No Go: Alles was am Huf unten sitzt. Hufrolle, Hufgelenksentzündung, Hufbeinprobleme — da gehe ich nicht ran. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Wenn ich bei der Behandlung merke dass das Hufgelenk in irgendeiner Bewegungsrichtung eingeschränkt ist — Beugung, Streckung, Rotation, Ab- oder Adduktion — dann lasse ich die Pads weg.

Und ganz grundsätzlich: Bei Fieber, Infektionen, frischen Frakturen oder frischen Sehnenschäden — bitte erst den Tierarzt oder die Osteopathin fragen bevor du irgendwas machst. Das gilt für Balancepads genauso wie für alles andere.

Kleiner Exkurs: Der Hufmechanismus

Wenn das Pferd auffußt, weitet sich der Huf leicht aus — beim Abfußen zieht er sich wieder zusammen. Klingt unspektakulär. Ist es aber nicht.

Durch dieses Weiten und Zusammenziehen entsteht ein Pumpeffekt. Unterhalb des Karpalgelenks hat das Pferd keine Muskeln mehr — der Huf ist buchstäblich das zweite Herz des Pferdes. Er pumpt das Blut wieder nach oben.

Eingeschränkt werden kann dieser Mechanismus durch verschiedene Dinge — Bewegungsmangel, falsche Hufbearbeitung, eine Hufbeinrotation zum Beispiel bei Hufrehe oder Hufrolle, oder auch durch Beschlag. Das bedeutet nicht dass Hufeisen grundsätzlich falsch sind — in bestimmten Situationen machen sie absolut Sinn. Aber es ist ein Punkt der beim Thema Hufmechanismus immer mitgedacht werden sollte.


Warum ich Balancepads und Tape gerne kombiniere

Das Tape gibt dem Pferd zusätzlichen Input auf der Haut. Es spürt die Anlage — und das spricht die Körperwahrnehmung in genau diesem Bereich nochmal an. Das Gehirn bekommt zwei Signale gleichzeitig: das Tape zeigt "hier bin ich" — und das Balancepad fordert "hier musst du arbeiten."

Ich tape also zum Beispiel die relevante Muskulatur am rechten Hinterbein — und stelle dann das Pad genau dort hin. Doppelter Input auf denselben Bereich. Das sind einfach zwei Werkzeuge die ich in meiner Praxis sehr gerne zusammen einsetze.


Balancepads sind ein tolles Werkzeug — wenn man weiß wann man sie einsetzt und wann nicht. Langsam einführen, dem Pferd zuhören, gezielt auf der schwächeren Seite arbeiten.

Und wenn du Tape dazu nimmst? Dann hast du eine Kombination die ich in meiner Praxis sehr gerne nutze.

Nina

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Nina Sass · Pferdeosteopathie · Tape & Train

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